Schlossöffnung bei Demonstranten

Blockieren, stören, anketten – das Repertoire von Demonstranten ist lang und meist auch erfolgreich. Zeitweise jedenfalls. Besonders beim Castortransport kommt es immer wieder zu Ankettungen, bei der sich Demonstranten an einen festen und stabilen Gegenstand – etwa den Schienen – festmachen und das Schloss verschließen.

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Das Vorhängeschloss

Das reguläre Vorhängeschloss ist vermutlich die bekannteste und die preiswerteste Art, etwas zu verschließen – oder aber sich an etwas festzuketten. Der Nachteil für die Demonstranten ist, dass ein Vorhängeschloss recht leicht zu knacken ist. Entweder mithilfe eines Dietrichs oder eines Bolzenschneiders, der entweder den Bügel durchschneidet oder gleich das ganze Schloss zerschneiden kann, das ist abhängig vom Größenverhältnis des Schneiders zum Vorhängeschloss.

 

Fahrradschlösser

Schlösser zum Sichern eines Fahrrades oder Motorrades können überaus stabil sein. Sie sind zuweilen aus starken Stahlketten geschmiedet und das Schlüsselschloss ist gegen Aufbohren gesichert. Auch ein Dietrich kann hier nicht wirklich weiterhelfen, insbesondere dann nicht, wenn es sich um eine Zahlenkombination handelt. Stellenweise hilft nur ein Schweißbrenner weiter, um einem solchen Schloss Herr zu werden.

Eine Kombination, die für lange Verzögerungen sorgt

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Demonstranten lassen sich auch immer wieder etwas Neues einfallen, um der Polizei keine Schablone zur Lösung eines Problems zu liefern. So können Demonstranten aus verschiedensten Schlössern und schweren Gegenständen etwas fertigen, dessen Auflösung und Entflechtung Stunden in Anspruch nehmen kann.

Verschiedene Schlösser, Fässer, Eisenträger und Menschen werden miteinander verkettet und bilden so ein ganz eigenes Konstrukt, das mit normalen Mittel nicht mehr zu knacken ist und in schneller Zeit schon gar nicht.

 

Maßnahmen

Um dagegen vorzugehen, kann die Polizei zu verschiedenen Maßnahmen greifen. Wie oben bereits erwähnt, kann die Polizei mit Dietrichen leichte Schlösser knacken oder mit einem Bolzenschneider anrücken, um die Verkettung zu entflechten. Hilft das alles nicht, muss schwereres Gerät herangeschafft werden wie eine Kreissäge. Dies kann dauern, weil die Polizei so etwas nicht bei jedem Einsatz dabei hat und die Stückzahl begrenzt ist. Immer wieder schaffen es Demonstranten dadurch, die Weiterfahrt eines Castortransports um einige Stunden zu verzögern.

 

Wirkung

Seinen moralischen Standpunkt sollte man in einer Demokratie zum Ausdruck bringen, solange keine Straftaten begangen werden. Das Anketten an Eigentum anderer ist zweifelhaft und sollte gut überlegt werden. Die Polizei und andere Behören haben vielleicht einige Unannehmlichkeiten, doch letztlich werden sie die Weiterfahrt eines Castortransports durchsetzen. Man hat allein Kosten für die Gesellschaft, also den Steuerzahler, erzeugt.

Es mag lange dauern, ein gutes Schloss zu knacken, aber unmöglich ist es niemals.
Weitere Informationen und Hilfestellungen rund um das Thema Schlösser und Schlüsseldienste finden Sie auch hier.

Anti-Atom-Proteste in Ahaus

Anti-Atom-Proteste in Ahaus

Das Transportbehälterlager Ahaus ist eines von mehreren temporären und dauerhaften Atommüll-Lagern in Deutschland. Aufgrund der großen Gefahren, welche von stark radioaktivem Material ausgehen, kam und kommt es regelmäßig zu Protesten. Auch die Erinnerung an Reaktorunfälle wie in Tschernobyl und Fukushima mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur verdeutlichen, dass Atomkraft nicht die saubere Energiequelle ist, als welche sie angepriesen wird. Entsprechend groß ist der Widerstand der Bevölkerung, wenn es um den Transport, die temporäre oder dauerhafte Lagerung von radioaktivem Material geht.

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Langfristige Proteste und Endlagersuche

Die Gefahren, welche von Atommüll ausgehen, bleiben Jahrhunderte, Jahrtausende oder sogar über Jahrmillionen bestehen. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, Lösungen zu finden, welche über solche Zeiträume als sicher eingestuft werden können. Dies ist jedoch kaum bis gar nicht möglich. Deswegen und weil noch immer Atommüll in nicht stillgelegten Atomkraftwerken produziert wird, sind Transporte und Zwischenlösungen unvermeidlich. Castortransporte und Lager wie in Ahaus treffen seit Jahrzehnten auf massiven Widerstand, da sich die Menschen der Risiken bewusst sind. So kam es nach der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl 2011 in Fukushima erneut zu einem Unfall, welcher die Unberechenbarkeit der Atomenergie ins Bewusstsein zurückholte. Fortlaufende Proteste sind die logische Konsequenz, bis eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann.

 

Anstehende Proteste

Da sich die Katastrophe von Fukushima am 11. März 2019 zum achten Mal jährt, werden auch kritische Stimmen in Ahaus lauter. Aus diesem Grund sind für das Wochenende vor dem Jahrestag erneute Protestaktionen geplant. Insbesondere wird hierfür der Samstag, 9. März 2019 ins Auge gefasst. An diesem Tag wollen die Menschen ein Zeichen gegen Atomenergie setzen. So dürfen in dem Transportbehälterlager Ahaus bis zu 3960 Tonnen radioaktiven Materials gelagert werden. Darunter befinden sich mehrere Kilogramm hoch angereicherten und somit waffenfähigen Urans. Damit ist ein Atomlager wie Ahaus nicht nur anfällig für unvorhersehbare Unfälle, sondern auch ein Ziel für Terroristen. Dies sind ausreichend gute Gründe, um eine starke Ablehnung in der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Deshalb ist auch noch lange in der Zukunft mit regelmäßigen Anti-Atom-Protesten in Ahaus zu rechnen.

Das Transportbehälterlager Ahaus

Die Transportbehälteranlage Ahaus ist eines der bekanntesten Zwischenlager zur Aufbewahrung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und ausgedienten Brennelementen. Das Lager befindet sich im westlichen Münsterland auf dem Gebiet der Stadt Ahaus. Die Strahlung wird am Zaun der Anlage kontinuierlich überwacht. Seit dem Beginn der Einlagerung schwanken die Messwerte im Schwankungsbereich einer natürlichen Strahlung. Somit liegen sie weit unter den Strahlenschutzverordnungs-Grenzwerten. Das Land betreibt zusätzliche Messungen mithilfe eines unabhängigen Messsystems. Die Messungen werden durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz rund um die Anlage durchgeführt. Täglich werden Messwerte durch die Behörde veröffentlicht.

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Die Transportbehälteranlage Ahaus bietet noch viel Stauraum

Das Zwischenlager wurde zwischen 1984 bis 1990 errichtet. Die Halle besteht aus zwei voneinander getrennten Lagerhallenhälften, dem Wartungs- und Empfangsbereich. Die westliche Halle hat eine Größe von 5000 Quadratmetern und verfügt über 420 Stellplätze für Lager- und Transportbehälter. Bisher nehmen die 329 Castor Behälter circa 10% der Lagerkapazität der Halle in Anspruch. Seit 2010 befinden sich in der Halle mittel- und schwachradioaktive Abfälle, die aus der Stilllegung und dem Betrieb von deutschen Kernkraftwerken stammen. Die Abfälle sollten eigentlich seit Beginn der Annahmebereitschaft an das Endlager Konrad weitergegeben werden. 2016 wurde von der BGZ eine Verlängerung der Lagerung des schwachradioaktiven Abfalls beantragt.

 

Kritische Fracht nach Ahaus

Mitte des Jahres ist der Transport weiterer abgebrannter Elemente des Forschungsreaktors FRM II geplant. Bisher wurden die Brennelemente seit 2004 in einem Abklingbecken aufbewahrt. Insgesamt steht Platz für circa 50 Elemente zur Verfügung. Der Transport der Brennelemente wird auch diesmal wieder in speziell gepanzerten Fahrzeugen durchgeführt. Da Garching über keinen Schienenanschluss verfügt, wird der Transport von vielen Seiten kritisiert. Das liegt vor allem daran, dass das hochangereicherte Uran vor dem Transport nicht abgereichert wird. Somit könnte es für einen Missbrauch verwendet werden. Seit der Inbetriebnahme des Zwischenlagers gibt es um das Uran in Garching Streit.

Castor-Transporte von Dresden-Rossendorf nach Ahaus

2005 – in diesem Jahr fand einer der wenigen Castortransporte statt, welcher eine längere Strecke durch das Bundesgebiet Deutschlands zurücklegen musste. In seinem Wortlaut ist der Transport eines Castors nicht einmal ein Grund, über den es sich streiten lässt. Hierbei handelt es sich lediglich um einen Transport von Lagerbehältern. Er wird manchmal mit der Bahn transportiert und schützt seine Fracht vor Außeneinwirkungen. Brisant ist der Inhalt des Castors, denn hierbei handelt es sich um hochradioaktives Material. Dieses stammt aus den Kernkraftwerken. Es sind abgebrannte Brennstäbe, welche zu ihrem Einlagerungsort transportiert werden sollen.

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Hochradioaktives Material auf dem Weg durch Deutschland

Gegen Castortransporte finden seit jeher viele Demonstrationen statt – und dies nicht ohne Grund. Nachdem ein Brennstab nach circa sieben Jahren in Betrieb abgebrannt ist, findet im Inneren dieses Stabs keine Oxidation mehr statt. Das bedeutet, der Brennstab ist für die Energieproduktion wirkungslos. Er wird ausgebaut und muss aufgrund seiner enormen Hitze zuerst gekühlt werden. Dies geschieht durch ein Wasserbecken, in welchem er über Jahre hinweg seine Temperatur verliert. Im Anschluss, nach circa fünf Jahren, muss das Brennelement zu einem Zwischenlager transportiert werden. Abschließend kann es nach einem weiteren Transport im Endlager verbleiben. Hier wurde noch keine weitere Lösung gefunden, wie mit dem Atommüll verfahren werden kann.

Von Dresden-Rossendorf nach Ahaus – der Weg einiger Brennelemente

So ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente findet sich im nordrheinwestfälischen Ahaus. Hier fuhr am 30. Mai 2005 der bislang letzte Castortransport mit Brennelementen aus Dresden-Rossendorf ein. In Rossendorf befindet sich ein Forschungsreaktor, der mittlerweile so weit zurückgebaut wurde, dass hier keine Kernenergieerzeugung mehr stattfindet. Aktuell finden sich jedoch in Ahaus noch immer 329 Behälter mit Brennelementen. Diese stammen aus Rossendorf und aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Hamm-Uentrop. Aufsehenerregend war jedoch besonders der Transport aus Dresden.

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Aktiv gegen Kernkraft

Der mit sechs Castorbehältern beladene Zug war am 20. März 2005 auf dem Weg aus Ostdeutschland zum Zwischenlager Ahaus. Als Schutz des Transports wurde ein hohes Aufgebot an Polizisten eingesetzt. Aufgrund eines massiven Andrangs von Demonstranten, die sich gegen einen Transport aussprachen, wurde der Transport über eine veränderte Route durchgeführt. Doch auch dies konnte die Demonstranten nicht davon abhalten, gegen einen Transport von Reaktorstäben nach Ahaus vorzugehen. So sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative “Kein Atommüll in Ahaus”, dass es nötig war ein Zeichen zu setzen, um weitere Transporte zu stoppen. Auch Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (2005) sprach sich gegen eine Zwischenlagerung der Brennstäbe in Ahaus aus. Trotz allen Protests erreichte der Konvoi das Zwischenlager. Somit dient Ahaus noch immer als eine Lagerstätte für hochradioaktive Brennelemente.

Das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden

Im November 2003 wurde es offiziell: 18 Castorbehälter, die abgebrannte, höchst radioaktive Brennelemente beinhalteten, sollten von Dresden-Rossendorf nach Ahaus transportiert werden. Zwischen den beiden Orten liegen rund 600 Kilometer Autobahn, über die der Atommüll in drei Transporten gefahren werden sollte. Dieses Vorhaben blieb nicht unwidersprochen. Zahlreiche Initiativen riefen zum Gegenprotest auf und organisierten einen breiten Widerstand in Dresden, Ahaus sowie entlang der geplanten Transport-Autobahnen. Aus diesem Umstand heraus bildete sich das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden. Das Bündnis versteht sich als Bürgerinitiative und umfasst zehn Umweltgruppen sowie interessierte Einzelpersonen. Dabei schlossen sich dem Aktionsbündnis nicht nur Menschen aus dem Dresdner Raum und Ahaus an, sondern auch Teilnehmer bis in den Raum Berlin.

 

Was fordert das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden?

Das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden steht für unterschiedliche Forderungen in Hinblick auf den geplanten Atommülltransport. So forderte das Bündnis, dass kein Transport nach Ahaus stattfindet, da es darin eine unmittelbare Gefahr und Unverantwortlichkeit sah. Darüber hinaus forderte das Bündnis eine Beantragung einer Zwischenlagergenehmigung für Rossendorf sowie einen sofortigen Atomausstieg. Der Atommüll solle in Rossendorf verbleiben, bis es in Deutschland ein sicheres Endlager gäbe. Das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden sah den geplanten Transport als überaus verantwortungslos, da er vermeidbare Risiken mit sich bringe. Darüber hinaus sei der Transport reine Geldverschwendung.

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Welche Aktionen plante das Aktionsbündnis Castor-Stopp Dresden?

Da in der Vergangenheit bereits ähnliche Transporte durch friedlichen Widerstand verhindert werden konnten, setzte das Aktionsbündnis auf einen breit aufgestellten Protest. Der Grundkonsens lag dabei auf gewaltfreien Aktionen, die weder die Teilnehmer noch außenstehende Personen in Gefahr bringen. So rief das Bündnis zu Demonstrationen und kreativem Widerstand entlang der kompletten Autobahn auf. Doch auch innerhalb Dresdens sowie in Ahaus sollten kreative Einzelproteste stattfinden. Darüber hinaus bot das Aktionsbündnis jeden dritten Sonntag im Monat einen Sonntagsspaziergang an, bei dem Interessierte sich bei Kaffee und Kuchen über das Bündnis und dessen Ziele informieren konnte. Zudem gab es jeden Freitag ein wöchentliches Vorbereitungstreffen.